🚀 „...und entschuldige dich aufrichtig für die Verzögerung...“
Diesen Satz hat mir der Support von Anthropic (den Machern der Claude) vor zwei Wochen geschickt. Kein Witz. Ein Tech-Gigant, der mit Sprachmodellen Milliarden verdient, fordert mich als zahlende Kundin auf, mich selbst für ihre Support-Verzögerung zu entschuldigen (siehe Screenshot) 😂.
Weißt Du was, Anthropic? Ihr habt recht. Wenn man von einem KI-Unternehmen mitten im Kundenprojekt des Webdesign-Business so spektakulär im Stich gelassen wird, muss man wohl einfach mal Größe zeigen.
Ich entschuldige mich aufrichtig dafür, dass ich brav meine ~90 € für das „Claude Max“-Abo bezahlt habe, nur um einen Tag später willkürlich grundlos gebannt zu werden. Mein Fehler!
Ich entschuldige mich aufrichtig dafür, dass ich von den Philippinen aus gearbeitet habe. Laut Eurer eigenen, offiziellen Liste zwar ein „Supported Country“, aber ich hätte natürlich riechen müssen, dass Euer Geo-Filter das im Live-Betrieb ganz anders sieht. Ich war kein Einzelfall…
Ich entschuldige mich aufrichtig dafür, dass ich die Dreistigkeit besitze, an meine eigenen Daten und fertigen Webdesign-Projekte herankommen zu wollen, während Ihr meinen ungerechtfertigt Account gesperrt haltet.
Ich entschuldige mich aufrichtig dafür, dass ich – nachdem Ihr mich nach vielen Tagen des Wartens auf den „Free-Tier“ zurückgestuft und meine 90 € einfach einbehalten habt – noch ein zweites Abo abschließen musste, um an meine Arbeit zu kommen. Danke, dass ich Euch quasi Lösegeld für meine eigenen Daten zahlen durfte! Den Refund darf man nach 4 Wochen natürlich immer noch nicht erwarten.
Ich entschuldige mich aufrichtig dafür, dass ich von Eurem Support eine Antwort erwartet habe, die nicht 10 bis 14 Tage dauert. Als Webdesignerin mit Deadlines lebe ich wohl einfach in einer anderen Zeitzone. Vor allem weil ich am Projekt arbeitete, eine Kochpause einlegte und währenddessen gesperrt wurde. Husch, alles weg.
Ich entschuldige mich aufrichtig dafür, dass ich eine rechtlich bindende DSGVO-Auskunft nach Art. 15 angefordert habe. Dass Ihr diese bis heute ignoriert oder fehlerhaft ausführt, liegt bestimmt nur an meinem mangelnden Verständnis für Datenschutz-Ignoranz.
Ich entschuldige mich aufrichtig dafür, dass ich gehofft habe, der Support eines führenden KI-Weltkonzerns könnte wenigstens einen grammatikalisch geraden, deutschen Satz formulieren, ohne die Pronomen komplett zu würfeln.
Ich entschuldige mich aufrichtig dafür, dass ich gemerkt habe, dass Euer Webdesign- und Code-Rendering-Tool im Alltag immer noch wie eine instabile Beta-Version wirkt und mich regelmäßig mit Screenshot-Sperren in den Wahnsinn getrieben hat.
Ich entschuldige mich aufrichtig dafür, dass ich von einem modernen Software-Unternehmen so etwas wie Kundenservice, Kulanz oder einen automatischen Refund erwartet habe.
Ich entschuldige mich aufrichtig dafür, dass ich nach all dem tatsächlich noch einmal versucht habe, Claude produktiv für mein Business einzusetzen. Nachdem ich Stunden in einen Webentwurf gesteckt hatte, durfte ich schließlich dabei zusehen, wie Claude einen bereits korrigierten Bereich wieder zerschoss – und mitten im Versuch, den eigenen Fehler zu reparieren, das Sessionlimit erreichte. Ich hatte ja kein “Max-Abo” mehr, da ist man schnell an den 5-Stunden-Limits… Timing können sie.
Und zu guter Letzt entschuldige ich mich dafür, dass ich mir 10 € Guthaben und ein beendetes Abo offenbar nur eingebildet habe. Es tut mir leid, Anthropic. Stattdessen wurden mir gerade wieder 18 € abgebucht. Ich würde ja den Support fragen, wo mein Guthaben geblieben ist – denn wenn ihr schon wieder abbucht, hätten es schließlich nur 8 € sein dürfen –, warum mein Abo nicht beendet wurde und was eigentlich aus meinem Refund über 90 € geworden ist. Aber wir wissen inzwischen beide, wie gut das funktioniert.
Zuverlässigkeit schlägt Hype – immer.
Ich arbeite gern mit neuen Tools. Ich probiere Dinge aus, bevor sie perfekt sind, und ich kann damit leben, wenn Software Fehler macht. Gerade bei KI erwarte ich nicht, dass immer alles reibungslos funktioniert.
Was ich aber erwarte, wenn ich für einen Dienst bezahle: Zugang zu meiner Arbeit, einen erreichbaren Support und eine vernünftige Lösung, wenn etwas schiefläuft.
Mein Account wurde gesperrt. Von einem Moment auf den anderen kam ich nicht mehr an meine Daten und laufenden Projekte. Um überhaupt weiterarbeiten zu können, musste ich später ein zweites Abo abschließen. Der Refund für mein erstes Abo ist bis heute offen. Meine DSGVO-Anfrage ist ebenfalls nicht vollständig geklärt.
Und der Support?
Auf eine erste brauchbare Reaktion wartete ich rund zwei Wochen. Dann meldete sich Linda mit der oben gezeigten Antwort – inklusive des wunderbaren Satzes, ich möge mich doch bitte „aufrichtig für die Verzögerung“ entschuldigen.
Ich antwortete.
Das ist inzwischen wieder drei Wochen her.
Dabei wäre Letzteres wirklich nicht kompliziert gewesen. Ich brauche keinen Gutschein, keinen Blumenstrauß und auch keine zehn Absätze Corporate-Blabla.
Ein simples:
„Wir haben einen Fehler gemacht. Das hätte nicht passieren dürfen. Es tut uns leid.“
hätte vollkommen gereicht.
Fehler passieren. Accounts können durch automatisierte Systeme fälschlicherweise gesperrt werden. Support kann überlastet sein. Auch ein Unternehmen, das KI entwickelt, kann offensichtlich einen grammatikalisch ziemlich spektakulären Satz verschicken.
Was für mich den Unterschied macht, ist das, was danach passiert.
Und nach mittlerweile rund fünf Wochen Support-Odyssee ist genau das mein eigentliches Problem mit Anthropic: Nicht der eine Fehler, sondern der Umgang damit.
Ich möchte mich auf die Tools verlassen können, mit denen ich mein Business betreibe. Ich möchte nicht überlegen müssen, ob ich nach einer Kaffeepause noch Zugriff auf meine Arbeit habe. Und ich möchte meinen eigenen Daten, meinem Geld und einer Antwort des Supports nicht wochenlang hinterherlaufen müssen.
Deshalb ist meine wichtigste Erkenntnis aus der ganzen Geschichte auch nicht, dass KI-Tools schlecht sind. Ganz im Gegenteil – ich nutze sie täglich und möchte sie nicht mehr missen.
Aber:
Kein Tool ist so gut, dass ich mein Business davon abhängig machen möchte.
Daten gehören gesichert. Wichtige Arbeit gehört nicht ausschließlich in irgendeine Cloud. Und ein noch so beeindruckendes Produkt ersetzt keinen verlässlichen Umgang mit zahlenden Kunden.
Anthropic hat mir unfreiwillig eine ziemlich gute Erinnerung daran geliefert.
Und nachdem Ihr mich erst rund zwei Wochen auf eine Antwort habt warten lassen und auf meine Antwort an Linda nun seit weiteren drei Wochen schweigt, bleibt eigentlich nur noch die Frage, mit der dieser Artikel angefangen hat:
Anthropic, wo bleibt eigentlich Eure Entschuldigung?
Lasst Euch von Tech-Giganten nicht Euer Business diktieren, sichert Eure Daten immer lokal und holt Euch Partner an die Seite, auf die Verlass ist.
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Ich designe Websites für Selbstständige, Ferienunterkünfte und kleine Unternehmen – individuell, ehrlich und ohne Agentur-Blabla. Hier schreibe ich über Webdesign, Sichtbarkeit und alles, was mir im digitalen Alltag sonst noch über den Weg läuft.
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